Aschenputtel wird Hotelbesitzerin
Starke Stimmen prägen Gioachino Rossinis Märchenoper "La Cenerentola" in Mainz, im Staatstheater kurzweilig von Stephanie Kuhlmann inszeniert.
Regisseuriin Stephanie Kuhlmann erzählt im Großen Haus des Staatstheaters Rossinis "Dramma giocoso" so klar wie zeitgemäß nach: Alles, auch das Fest beim Prinzen, spielt in den Innenräumen des Hotels, und wie in der Märchenvorlage hinterlässt Angelina ihren Schuh als Erkennungszeichen, aus dem in Rossinis Oper eigentlich ein Armreif geworden war. [...]
Kein Wunder, dass dieses Märchen für Erwachsene in drei kurzweiligen Stunden in Mainz ein Publikumserfolg ist."
Axel Zibulski
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. November 2025
Menschen im Hotel
Am Staatstheater Mainz verlegt die Regisseurin Stephanie Kuhlmann Rossinis „La Cenerentola“ in ein heruntergekommenes Hotel. Sie zeigt den Prozess einer Emanzipation, lässt Komödie spielen, integriert Märchenhaftes und dabei wird auch noch wunderbar gesungen.
Am Staatstheater Mainz holt die Regisseurin Stephanie Kuhlmann das Märchen zurück ins Stück, indem sie aus der Figur des aufgeklärten Philosophen Alidoro eine Art gute Fee der Geschichte macht, ein Pendant zum weißen Vogel bei den Grimms. Er hält die Fäden in der Hand, wechselt die Rolle, steigt wie ein Engel vom Himmel herab, sorgt für Verzauberung, wo eigentlich keine mehr ist. Doch der Zauber ist ein gebrochener, ein gemachter, weil immer deutlich ist, wie Alidoro diesen produziert: mit Seifenblasen, Konfetti, falschen Bärten und Kleidertausch – Budenzauber also.[...]
Kuhlmann erzählt die Geschichte einer gelungenen Emanzipation. Angelina ist anfangs eine junge Frau, die den Tod der Eltern noch nicht überwunden hat, sich in ihr Dasein fügt, sich aber nicht verbiegt. Immer zielstrebiger setzt sie ihre Pläne um, fordert die Teilnahme am Ball, erläutert ihre Vorstellungen von Liebe und Ehe. Während alle anderen die Kostüme mehrfach wechseln, darunter aber immer dieselben bleiben, verändert sich Angelina und ist schließlich auch im Kostüm des Zimmermädchens eine andere geworden. Die anderen spielen Rollen, gefallen sich in diesen – Dandini wäre gerne Prinz, Magnifico wäre gerne reich –, doch nur Angelina macht eine Entwicklung durch, ohne ihre positiven Charakterzüge zu verlieren. Komödie spielen die anderen und das lässt die Regisseurin auch zu und gibt den Darstellerinnen und Darstellern den nötigen Freiraum.
Bernd Zegowitz
Die Deutsche Bühne, 30. November 2025
"La Cenerentola" entfacht Begeisterungsstürme
Die Premiere wurde vom Publikum frenetisch gefeiert: Beim lang anhaltenden Schlussapplaus gab es stehende Ovationen. Das kommt bei Opern nicht oft vor. [...]
Die Inszenierung hat das Potential, zu einem Publikumsliebling zu werden.
Markus Gründig
Kulturfreak, 30. November 2025
Mut zur Leichtherzigkeit
Das muss eine Inszenierung aber auch aushalten, diese Leichtherzigkeit, ohne doch noch etwas Kompliziertes hineinzuschieben und ohne es sich ihrerseits zu leicht zu machen. Rossinis Musik will Perfektion um sich herum, nicht Routine.
Das sind zu bewältigende Aufgaben, aber nicht immer hat das so einen Zug wie jetzt am Staatstheater Mainz. Regisseurin Stephanie Kuhlmann und ihr Team verfolgen einen einfachen, aber wirkungsvollen Ansatz, wichtiger ist aber noch, dass sie das Ensemble in den Schwung der Musik verestzen, ganz unaufwendig anscheinend, aber hier zündet etwas, und wie. [...]
Obwohl kaum getanzt wird, warum auch, ist die Bewegungssprache sozusagen so tänzerisch wie sie sein kann, bevor man loskreiselt.
Judith von Sternberg
Frankfurter Rundschau, 01. Dezember 2025
Rossinis "La Cenerentola" als spritzige Märchen-Komödie
Mit der Mainzer Neuinszenierung von Rossinis "La Cenerentola" gelingt dem Produktionsteam um Stephanie Kuhlmann die glückliche Verbindung der Komik eines "Dramma giocoso" mit der Wiedergewinnung von Märchenelementen, und das vor dem Hintergrund einer Übertragung der Handlung in ein anderes Setting. Derartige Übertragungen sind ein beliebter Inszenierungsansatz, der aber nicht selten zu Reibungen zwischen Libretto und gezeigtem Bühnengeschehen führt. Nicht so in dieser Produktion. [...]
Das sieht fabelhaft aus, erinnert an die Ausstattung legendärer Hollywood-Komödien der Nachkriegszeit und wird von einem agilen Ensemble in der einfallsreichen Regie mit zündendem Humor bespielt. Stephanie Kuhlmann versteht es nicht nur, punktgenaue Pointen zu setzen, sondern gewinnt dem Stücke jene Motive zurück, die das Libretto eliminiert hatte. [...] Auch erlebt man eine Brise Phantastik und Magie, die im "Dramma giocoso" nicht vorgesehen ist.
Dr. Michael Demel
Orpheus, 01/2026
