Die beiden Männer auf der Bühne schaffen es mit hoher Präsenz, sinnlich und zugleich scheu zu sein. Die Ambivalenz zwischen Angst und explosiver Erotik, Spiel und Ernst mit den Codes der Außenseiter, das Changieren zwischen der erst Ende als positives wahrgenommenen Attributs queeren Sensibilität und den provokanten Drag-Outriertheiten schaffen über der Didaktik auch psychologische Authentizität.
Durch die pointierten Kontraste wächst der Abend über Glamourrevue, Betroffenheitsspektakel und Lehrplansoll hinaus. Ein jugendliches Publikum lernt also weitaus mehr als sich sagen lässt, weil es die Nöte und Bedrängnisse queerer Männer fast in Greifweite und ohne betuliche Leisetreterei erlebt.
Roland H. Dippel
Neue Musikzeitung, 13. April 2026
