• Stephanie Kuhlmann

Hilfe für (freie) Kulturschaffende - wer hilft, was kann man tun?


Es ist eine merkwürdige Zeit, die Zeit mit, neben, unter Corona. Wie auch immer das weiter gehen wird, klar ist schon jetzt, dass die Auswirkungen auf uns Selbständige fatal sind. Nach und nach haben in den letzten Tagen fast alle Theater- und Opernhäuser geschlossen. Normalerweise gilt: Keine Arbeit, kein Geld. Wenn, wie gerade jetzt, ein Auftrag nach dem anderen durch "höhere Gewalt" wegbricht, dann ist das eine ernsthafte Bedrohung unserer Existenz!

Was bisher dazu gesagt und getan wurde und was man selbst tun kann, möchte ich hier zusammentragen. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit und bin dankbar für weitere Links und Hinweise, die ich hier ergänzen kann.

Am vergangen Freitag, den 13. März versprach Kulturstaatsministerin Monika Grütters in einer Presseerklärung ein umfassendes Hilfspaket, denn:

"Kultur ist kein dekorativer Luxus, den man sich nur in guten Zeiten gönnt. Wie sehr wir sie brauchen – insbesondere was den gesellschaftlichen Zusammenhalt betrifft – sehen wir jetzt, da wir in großen Teilen auf sie verzichten müssen. Umso wichtiger sind jetzt diese Hilfen."

Das macht Hoffnung. Um weiter auf die prekäre Lage von uns Freiberuflern und Künstlern aufmerksam zu machen und um Hilfe während des Corona-Shutdowns zu bitten, wurde diese Petition ins Leben gerufen (daher kommt auch das Titelbild dieses Beitrags). Wer sie noch nicht unterschrieben hat: Bitte tut es noch! Es geht um unsere Existenz!

Auch eine zweite Petition verfolgt dieses Ziel und bittet um einen zusammen getragenen Notfallfonds von Bund und Ländern, auf den möglichst noch im März zugegriffen werden kann.

Einen ganz konkreten Vorschlag, wie Hilfe schnell und unbürokratisch funktionieren könnte, gibt es hier:

"Deutschland ist ein reiches Land – Sie reden von Billionenkrediten für die Wirtschaft! Was dem Land aber auch helfen würde, ist die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens von 800-1200€ pro Person für 6 Monate. Schnell, unbürokratisch, zeitlich begrenzt. DAS würde den soziale Absturz Tausender verhindert und gleichzeitig die Kaufkraft im Land erhalten. Denn das ist das Zweite, was wir brauchen: Menschen, die weiterhin Geld ausgeben!"

Für mich klingt das nach einer ziemlich guten Lösung, zumal wir alle nicht wissen, wie lange die Situation noch anhält und welche Aufträge in Zukunft noch stattfinden oder gecancelt werden. Wer der gleichen Meinung ist, bitte unterschreibt auch diese Petition.

Unter welchen Umständen man auch als Freiberufler entschädigt werden kann, darüber informiert unter Anderem der Verband der Gründer und Selbständigen Deutschland e.V. und die Deutsche Orchestervereinigung gibt einen Leitfaden heraus, wie man sich als Freiberufler nun am besten verhält. Hier wird auch zu einer Umfrage des Deutschen Musikrats gerufen, die helfen soll, das Ausmaß der Beeinträchtigungen und sinnvolle Hilfsmaßnahmen abschätzbar zu machen.

Was kann man sonst noch tun? Auch ich wiederhole an dieser Stelle den schon oft gelesenen Appell:

Falls Euer Theaterbesuch abgesagt wurde und Ihr nun vor der Frage steht, was Ihr mit dem Ticket machen sollt:

Überlegt doch, ob Ihr es euch vielleicht leisten könnt, das Geld nicht zurück zu fordern. Die Theater könnten davon ihre Mitarbeiter zahlen - oder die eigene Existenz retten, die insbesondere bei privaten Kulturbetrieben schnell auf dem Spiel steht.

Und kauft Euch Tickets für die Zeit "danach". Wie, wo und wann es so weit sein wird, darüber informiert Nachtkritik.

Denn irgendwann hat auch dieser Spuk ein Ende und dann sind wir alle froh, wenn es noch Künstler und Kulturbetriebe gibt.

Danke! Passt auf Euch auf und bleibt gesund! Bis bald!

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Update 17.03.2020:

Unter welchen Umständen Ausfallhonorare gezahlt werden, darüber klärt die Kanzlei Laaser online auf.

Die GVL stellt auf ihrer Seite ein Formular für den Erhalt einer finanziellen Nothilfe zur Verfügung.

Und die Deutsche Orchesterstiftung ruft auf ihrer Seite gleichzeitig zu Spenden auf und bietet finanzielle Hilfe für Betroffene.

Nicht unbedingt Corona-spezifisch, aber auch etwas, woran man denken sollte: Gewinnprognose bei der KSK runterschrauben, wenn Verdienstausfälle zu vermelden sind und das voraussichtliche Jahreseinkommen nun doch geringer ausfallen wird! Über weitere mögliche Maßnahmen wie Zahlungserleichterungen berichtet die KSK aktuell auf ihrer Seite.

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Update 18.03.2020

Inwischen wurde in NRW ein Sofortprogramm für die Existenzsicherung von Künstlern und Kultureinrichtungen auf den Weg gebracht, ähnlich so in Berlin und Bayern. Andere Länder werden sicher folgen.

In Hessen gibt es derzeit erst einmal eine Umfrage zu Verlusten, um den Bedarf an Entschädigungen zu ermitteln. Wer in Hessen wohnt und betroffen ist: bitte mitmachen!

Sehr hilfreiche und wesentlich umfassendere und fundiertere Infos als ich sie hier liefere hat das Kinder- und Jungendtheaterzentrum der BRD nun auf seinem Blog gesammelt - in zwei Tagen ist übrigens Welttag des Theaters für junges Publikum. Wahrscheinlich der erste ohne Theater...

Der Deutsche Kulturrat gibt inzwischen einen Newsletter mit dem Titel "Corona vs. Kultur" raus - sehr informativ!

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Update 19.03.2020

Die gute Nachricht des Tages kommt von der GDBA, denn die leistet jetzt Soforthilfe für durch die Krise in Not geratene Theaterschaffende. Sofort heißt in diesem Falle auch wirklich sofort. Helden!

Wer noch weitere gute gesammelte Infos braucht: Das Gründerlexikon erklärt, was man tun und welche Hilfe man bekommen kann.

Auch Nachtkritik klärt weiterhin über Rechte und Sicherheiten in Zeiten von Corona auf.

(Hier gibt es außerdem auch einen Streaming-Spielplan für diejenigen, die auch jetzt nicht ganz auf Theater verzichten können und wollen.)

Auch Nachtkritik kommt gerade allerdings in finanzielle Schwierigkeiten, also wer helfen will und kann: hier wäre eine Möglichkeit.

Wer die freie Zeit gerade sinnvoll nutzen möchte, um mit anderen nach Lösungen für die neuen Herausforderung zu suchen, der ist vielleicht beim Hackathon der Bundesregierung unter dem Motto #WirVsVirus gut aufgehoben.

Inzwischen gibt es auch eine internationale Petition zum Thema Auszahlung bereits vereinbarter Honorare. Insbesondere geht es hier um die Forderung, Fördergelder nicht zurückzahlen zu müssen, um trotz Ausfall die Künstler bezahlen zu können.

In Leipzig gibt es die Initiative Leipziger Kulturfallschirm, eine Crowdfunding-Aktion, um Kulturschaffenden der Leipziger freien Szene finanziell unter die Arme greifen zu können.

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Update 20.03.2020

Heute ist übrigens Welttag des Theaters für junges Publikum. Just saying... hoffentlich lässt sich auch das bald nachholen! Bis dahin sammelt ASSITEJ hier Ideen, das Theater zu den Kids nach Hause zu bringen!

Infos zu finanziellen Sofortmaßnahmen in:

Berlin und Hamburg

Über Soforthilfe der Länder informiert inzwischen auch die ZAV.

So viel für heute. Haltet durch, sammelt gute Nachrichten und unterstützt Euch gegenseitig, wo ihr könnt.

Und bleibt gesund. Und zuhause!

#Corona #Freiberufler #Theater #Hilfe

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